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Wohnungsbau in Deutschland kommt langsam wieder in Bewegung

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Nach Jahren der Krise gibt es im deutschen Wohnungsbau wieder vorsichtige Anzeichen für eine Erholung. Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Mit insgesamt 126.300 genehmigten Wohnungen wurden 15,1 Prozent mehr Projekte bewilligt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit fällt der Anstieg so stark aus wie seit dem ersten Halbjahr 2016 nicht mehr.

Die Entwicklung ist angesichts des weiterhin angespannten Wohnungsmarktes ein positives Signal. Dennoch wäre es zu früh, von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen. Denn die aktuellen Zahlen müssen vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass die vergangenen Jahre besonders schwach waren. Hohe Zinsen, gestiegene Bau- und Materialkosten sowie eine insgesamt unsichere wirtschaftliche Lage hatten viele Bauvorhaben ausgebremst oder ganz verhindert.

Besonders der Neubau zieht wieder an

Ein Großteil der neu genehmigten Wohnungen soll in neu errichteten Gebäuden entstehen. Von Januar bis Juni wurden rund 103.100 Neubauwohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Dabei zeigt sich, dass vor allem der Bau von Mehrfamilienhäusern wieder stärker anzieht. Mit 67.000 genehmigten Wohnungen entfällt der größte Anteil auf diese Gebäudeart. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 bedeutet das einen Zuwachs von 16,9 Prozent. Gerade in Städten und Ballungsräumen sind solche Projekte von großer Bedeutung, da dort besonders viel bezahlbarer Wohnraum fehlt.

Auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist eine Belebung zu beobachten. Die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser stieg um 12,7 Prozent auf rund 24.000. Noch deutlicher war der Anstieg bei Zweifamilienhäusern: Hier wurden 7.700 Einheiten genehmigt, 27,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Hinzu kommen rund 4.400 Wohnungen in Wohnheimen, deren Zahl allerdings nur leicht um 0,9 Prozent zulegte.

Auch der Juni bestätigt den positiven Trend. In diesem Monat wurden insgesamt etwa 21.600 Wohnungen genehmigt. Das waren 13,8 Prozent mehr als im Juni 2025. Neben Neubauprojekten legten auch Genehmigungen für Wohnungen zu, die durch Umbauten bestehender Gebäude entstehen. Hier gab es einen Zuwachs von 12,1 Prozent auf rund 3.900 Wohnungen.

Noch immer fehlen Wohnungen

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Trotz der verbesserten Genehmigungszahlen bleibt die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland rund eine Million Wohnungen. Besonders in wirtschaftlich starken Städten und Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Für viele Menschen bedeutet das steigende Mieten und eine schwierige Suche nach einer geeigneten Wohnung.

Wie groß die Lücke zwischen Bedarf und tatsächlicher Bautätigkeit ist, zeigt auch ein Blick auf die Fertigstellungen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland lediglich rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahr und zugleich der niedrigste Wert seit 2012. Nach Einschätzung des ifo-Instituts könnte sich die Situation 2026 sogar weiter zuspitzen: Erwartet werden lediglich etwa 185.000 fertiggestellte Wohnungen.

Die Entwicklung verdeutlicht ein wichtiges Problem: Zwischen einer erteilten Baugenehmigung und der tatsächlichen Fertigstellung eines Gebäudes liegen oft mehrere Jahre. Eine steigende Zahl von Genehmigungen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass kurzfristig mehr Wohnungen auf den Markt kommen.

Regierung setzt auf schnellere Verfahren

Die Bundesregierung versucht, die Bautätigkeit unter anderem mit dem sogenannten „Bau-Turbo“ anzukurbeln. Schnellere Genehmigungsverfahren sollen dazu beitragen, dass Wohnprojekte früher umgesetzt werden können. Zusätzlich wurden Förderangebote für energieeffizientes Bauen wieder ausgeweitet.

Bundesbauministerin Verena Hubertz wertet die steigenden Genehmigungszahlen als Zeichen dafür, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen. Gleichzeitig betont sie, dass Deutschland noch lange nicht das notwendige Niveau beim Wohnungsbau erreicht habe. Geplant sind deshalb weitere Maßnahmen, darunter zusätzliche Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, weniger bürokratische Hürden und eine neue Wohnungsbaugesellschaft des Bundes.

Auch aus der Bauwirtschaft kommen vorsichtig positive, aber zurückhaltende Einschätzungen. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe sieht zwar erste Zeichen einer Erholung, warnt jedoch davor, die Entwicklung bereits als Trendwende zu betrachten.

Stornierungen bremsen die Erholung

Ein Grund für die Skepsis sind die weiterhin zahlreichen Stornierungen. Nach Angaben des ifo-Instituts stieg der Anteil der Wohnungsbauunternehmen, die von der Stornierung von Projekten betroffen waren, im Juli auf 13,1 Prozent. Im Juni hatte dieser Wert noch bei 11,4 Prozent gelegen.

Damit zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Einerseits werden wieder mehr Bauvorhaben genehmigt, andererseits werden bereits geplante Projekte weiterhin aufgegeben. Die Auftragssituation verbessert sich zwar langsam, bleibt aber empfindlich gegenüber steigenden Kosten und wirtschaftlichen Risiken.

Zusätzlichen Druck könnten steigende Baupreise verursachen. Auch Probleme beim Transport von Baumaterialien können die Kosten erhöhen. Niedrige Wasserstände auf wichtigen Flüssen wie dem Rhein beispielsweise können dazu führen, dass Frachtschiffe weniger Ladung transportieren können. Lieferungen verzögern sich dadurch oder werden teurer.

Hoffnungsschimmer, aber noch keine Entwarnung

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Die aktuellen Zahlen machen Mut, lösen die Probleme des deutschen Wohnungsmarktes aber noch nicht. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Wohnungen genehmigt als ein Jahr zuvor, doch das Ausgangsniveau war niedrig. Der aktuelle Wert liegt weiterhin weit unter den Zahlen früherer Jahre.

Für eine nachhaltige Erholung müsste deshalb nicht nur die Zahl der Genehmigungen weiter steigen. Entscheidend ist, dass aus den genehmigten Projekten tatsächlich fertige Wohnungen werden. Dafür müssen Finanzierung, Materialkosten, Grundstückspreise und Genehmigungsverfahren für Bauherren wieder kalkulierbarer werden.

Der Wohnungsbau in Deutschland befindet sich damit an einem möglichen Wendepunkt, steht aber weiterhin vor großen Herausforderungen. Die steigenden Genehmigungszahlen sind ein wichtiges positives Signal. Ob daraus tatsächlich eine dauerhafte Erholung entsteht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Angesichts des großen Wohnraummangels bleibt der Handlungsdruck für Politik und Bauwirtschaft jedenfalls hoch.

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